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Digitalisierung im Unternehmen Schritt für Schritt umsetzen

Ganz gleich, ob Sie ein Technikbegeisterter oder ein Geschäftsinhaber sind, der Technologie für sein Wachstum nutzen möchte, unser Blog bietet wertvolle Informationen und Ressourcen, um Sie zu informieren und zu inspirieren.

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Digitalisierung im Unternehmen Schritt für Schritt umsetzen

Table of Contents

Die meisten Anleitungen zur Digitalisierung im Unternehmen sind keine Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Sie sind Reifegradmodelle, Strategie-Folien und Zehn-Punkte-Checklisten, die Ihnen sagen, wo Sie stehen, aber nicht, was Sie am Montag tun. „Entwickeln Sie eine Digitalisierungsstrategie“ ist kein Schritt. Es ist eine Überschrift.

Digitalisierung im Unternehmen bedeutet in diesem Artikel etwas Konkretes: einen operativen Kernprozess wie Angebot, Auftragsabwicklung, Disposition oder Abrechnung aus E-Mails, Excel-Listen und Zuruf in ein System zu überführen, das genau so arbeitet wie Ihr Betrieb. Nicht die ganze Firma auf einmal. Ein Prozess, richtig, dann der nächste.

Dieser Artikel gibt Ihnen die Reihenfolge, in der ein Mittelständler zwischen 75 und 200 Mitarbeitern das tatsächlich umsetzt: sechs Schritte, jeder mit einer klaren Entscheidung am Ende. Unsere Position vorweg, weil sie die ganze Reihenfolge prägt: Digitalisierung im Mittelstand scheitert selten an der Technik. Sie scheitert daran, dass Betriebe mit der Strategie beginnen statt mit einem Prozess.

Schritt 1: Den teuersten Prozess finden, nicht den einfachsten

Der verbreitete Rat lautet, mit einem schnellen Erfolg zu beginnen, mit einem kleinen, einfachen Prozess, der sich leicht digitalisieren lässt. Das ist der falsche Startpunkt. Ein einfacher Prozess ist meist einfach, weil er wenig kostet. Sie investieren Aufwand und bekommen einen Effekt, den niemand spürt.

Beginnen Sie stattdessen dort, wo Geld verloren geht. Messen Sie eine Woche lang für zwei oder drei Kandidaten, wie viele Stunden sie tatsächlich binden, und rechnen Sie mit Vollkosten hoch:

  • Angebotserstellung: 12 Std./Woche × 48 Wochen × 55 EUR = 31.680 EUR pro Jahr
  • Auftragskoordination: 15 Std./Woche × 48 Wochen × 55 EUR = 39.600 EUR pro Jahr
  • Rechnungsprüfung: 6 Std./Woche × 48 Wochen × 45 EUR = 12.960 EUR pro Jahr

Bei einer Spedition oder einem technischen B2B-Dienstleister ist der teuerste Prozess fast immer die Auftrags- oder Angebotskoordination, nicht die Buchhaltung. Der teuerste Prozess ist Ihr erster. Er trägt den Aufwand der Umstellung, weil er den größten Betrag freisetzt, und er überzeugt das Team, weil die Entlastung sofort spürbar ist.

Entscheidung am Ende von Schritt 1: ein einziger Prozess, mit einer Jahreszahl dahinter.

Schritt 2: Den Prozess verstehen, bevor Sie ihn digitalisieren

Der häufigste Fehler auf Schritt 2 ist, den Prozess zu digitalisieren, wie er auf dem Papier steht, statt so, wie er tatsächlich läuft. Auf dem Papier hat die Angebotserstellung fünf Schritte. In der Praxis hat sie fünf Schritte und siebzehn Ausnahmen: der Schlüsselkunde mit Sonderkonditionen, der Expressauftrag am Freitagnachmittag, die Teillieferung, die anders abgerechnet wird.

Diese Ausnahmen sind nicht das Rauschen. Sie sind der Prozess. Ein System, das nur den Normalfall abbildet, schiebt genau die Fälle zurück in Excel und E-Mail, die am meisten Zeit kosten. Gewonnen haben Sie dann nichts. Nehmen Sie den Ist-Zustand mit den Menschen auf, die ihn täglich ausführen, samt Sonderfällen. Wer einen kaputten Prozess digitalisiert, bekommt einen Prozess, der schneller kaputtgeht.

Ein Beispiel aus einer Spedition mit 90 Mitarbeitern: Die Angebotskalkulation folgt auf dem Papier einem festen Schema aus Entfernung, Gewicht und Tarif. Tatsächlich rechnen die beiden erfahrensten Disponenten bei Stammkunden Mautanteile anders, gewähren bei Rückladungen Rabatte, die nirgends dokumentiert sind, und schätzen Wartezeiten aus Erfahrung. Genau dieses ungeschriebene Wissen entscheidet über die Marge, und genau daran scheitert ein System, das nur das Schema kennt.

Entscheidung am Ende von Schritt 2: eine Prozesslandkarte inklusive der wichtigsten Ausnahmen, abgenommen von den Menschen, die den Prozess ausführen.

Schritt 3: Die Ebene wählen: kaufen, konfigurieren oder bauenWas kostet KI im Mittelstand?

Erst jetzt, mit einem verstandenen Prozess, wird die Werkzeugfrage sinnvoll. Für einen einzelnen Prozess gibt es drei Wege, und keiner ist grundsätzlich richtig:

Kaufen. Für Standardaufgaben ohne Wettbewerbsvorteil, etwa Buchhaltung, Zeiterfassung oder ein klassisches CRM, ist Standardsoftware die richtige Antwort. Sie kaufen Lizenzen, keine Entwicklung. Wenn Ihr Prozess dem entspricht, was tausend andere Betriebe auch tun, bauen Sie ihn nicht selbst.

Konfigurieren. Manche Plattformen lassen sich so weit anpassen, dass sie einen spezifischen Prozess abbilden, ohne dass individuell entwickelt wird. Das trägt, solange Ihre Sonderfälle in das Raster der Plattform passen. Sobald Sie gegen die Grenzen der Konfiguration arbeiten, wird dieser Weg teurer als der nächste.

Bauen. Wenn der Prozess Ihr Betriebswissen ist, etwa die Kalkulationslogik einer Spedition oder die Dispositionsregeln eines Dienstleisters, und genau dort Zeit oder Marge verloren geht, ist individuelle Entwicklung angebracht. Für eine einzelne operative Funktion beginnt das seriös bei rund 50.000 EUR, für ein durchgängiges operatives Kernsystem liegt die Bausumme zwischen 75.000 und 150.000 EUR. Die vollständige Kostenaufstellung mit Rechenwegen haben wir im Artikel Was Digitalisierung im Mittelstand wirklich kostet getrennt aufgeschrieben, damit dieser hier bei der Reihenfolge bleibt.

In der Praxis ist die Antwort oft ein Mix: Standardsoftware für die Buchhaltung, eine konfigurierte Plattform für das CRM, individuelle Entwicklung nur für den einen Prozess, der Ihren Wettbewerbsvorteil trägt. Die Kunst liegt nicht darin, sich für ein Lager zu entscheiden, sondern jede Funktion auf die richtige Ebene zu legen.

Die ehrliche Prüfung: Bildet Ihr Prozess einen Wettbewerbsvorteil ab oder eine Standardaufgabe? Beim Ersten bauen Sie, beim Zweiten kaufen Sie. Ob interne Entwicklung, Agentur oder ein Modell dazwischen den Bau trägt, klärt der Vergleich Inhouse-Entwicklung vs. Agentur.

Entscheidung am Ende von Schritt 3: kaufen, konfigurieren oder bauen, begründet mit der Frage, ob der Prozess Standard oder Betriebswissen ist.

Schritt 4: Klein bauen, aber für den Betrieb, nicht als Experiment

Wenn Schritt 3 auf „bauen“ hinausläuft, entsteht auf Schritt 4 die nächste Weggabelung: Prototyp oder Produktivsystem. Der Reflex, erst einen schnellen Wegwerf-Prototyp „zum Ausprobieren“ zu bauen, klingt vorsichtig, ist aber teuer. Ein Prototyp ohne Fehlerbehandlung, Rechteverwaltung und saubere Schnittstellen wird entweder weggeworfen oder, was häufiger passiert, geht in Produktion, obwohl er nie dafür gebaut wurde. Dann läuft Ihr Betrieb auf einem Provisorium.

Klein anzufangen ist richtig. Klein heißt: ein Prozess, nicht zehn. Klein heißt nicht: ohne die Teile, die aus Software ein Arbeitswerkzeug machen. Bauen Sie den einen Prozess vollständig und produktionsreif, statt fünf Prozesse halb. Warum operative Software von der ersten Version an für den Betrieb ausgelegt sein muss und nicht für das Lernen, steht im Artikel MVP vs. Produktivsystem.

Entscheidung am Ende von Schritt 4: ein produktionsreif gebauter Prozess, kein Wegwerf-Prototyp.

Schritt 5: Mit echten Aufträgen testen, im Parallelbetrieb mit Enddatum

Ein neues System testet man nicht mit erfundenen Szenarien. Man testet es mit echten Aufträgen der laufenden Woche, bearbeitet von den Menschen, die später damit arbeiten. Erfundene Testfälle bestätigen, dass die Software tut, was Sie gedacht haben. Echte Aufträge zeigen, was Sie nicht gedacht haben. Genau das ist der Zweck.

Der Parallelbetrieb aus altem und neuem Prozess ist dabei die gefährlichste Phase. Er fühlt sich sicher an, doppelt aber die Arbeit: Jeder Auftrag wird zweimal erfasst, jede Entscheidung zweimal getroffen. Setzen Sie dem Parallelbetrieb von Anfang an ein Enddatum. Ohne festen Umstiegstermin läuft er, bis eine erschöpfte Schlüsselkraft die Reißleine zieht. Wie Sie diese Phase führen, ohne Ihr Betriebsteam auszubrennen, behandelt der Artikel Change Management in der digitalen Transformation im Detail.

Entscheidung am Ende von Schritt 5: ein fixer Umstiegstermin, kommuniziert, bevor der Parallelbetrieb beginnt.

Schritt 6: Einen Prozess live nehmen, dann den nächsten

Die Umstellung erfolgt prozessweise, nicht als großer Stichtag für die ganze Firma. Ein Prozess geht live, stabilisiert sich über einige Wochen, gehört danach vollständig dem Team, und erst dann beginnt der nächste. Der große Stichtag, an dem alles gleichzeitig umschaltet, ist der zuverlässigste Weg, eine Umstellung scheitern zu lassen: Wenn drei Prozesse gleichzeitig wackeln, lässt sich nicht mehr sagen, welcher das Problem ist.

Konkret heißt prozessweise: Erst läuft die Angebotserstellung vollständig über das neue System, während Disposition und Abrechnung zunächst bleiben, wie sie sind. Steht die Angebotserstellung stabil, folgt die Disposition, dann die Abrechnung. Jeder Schritt ist für sich abgeschlossen und rückholbar, falls etwas klemmt.

Genau hier wird aus einem Werkzeug für einen Prozess Schritt für Schritt eine Betriebsplattform, die den Kern des Unternehmens trägt. Ein Prozess, stabilisieren, dann der nächste: Diese Reihenfolge ist auch die Antwort auf den SaaS-Wildwuchs, der entsteht, wenn Betriebe für jedes Problem ein weiteres Tool kaufen. Warum mehr Werkzeuge operative Komplexität nicht lösen, steht im Artikel SaaS-Wildwuchs und Betriebsplattform.

Rechnen Sie von Anfang an mit laufenden Kosten für Betrieb und Weiterentwicklung: 15 bis 20 Prozent der Bausumme pro Jahr. Ein System, das nach sechs Monaten Nutzung keinen Ausbau bekommt, wird zur Hypothek statt zum Werkzeug.

Entscheidung am Ende von Schritt 6: ein live genommener, stabilisierter Prozess und ein eingeplantes Betriebsbudget, bevor der nächste Prozess beginnt.

Warum die meisten Digitalisierungsprojekte auf Schritt 0 stehen bleiben

Die sechs Schritte sind nicht schwer. Der Grund, warum Betriebe sie nicht gehen, ist fast nie technisch. Er liegt darin, dass niemand im Unternehmen die Zeit dafür geschützt bekommt. Digitalisierung wird „nebenbei“ vergeben, an jemanden, der ohnehin ausgelastet ist, und versandet zwischen Tagesgeschäft und guten Absichten.

Wenn Sie diese Reihenfolge ernst meinen, gehört an ihren Anfang eine Entscheidung, die in keinem der sechs Schritte steht: eine verantwortliche Person mit formell geschützter Zeit. Rechnen Sie diese Zeit gegen: Ein Projektverantwortlicher, den Sie sechs Monate lang mit sechs Stunden pro Woche für die Umsetzung freistellen, kostet bei 70 EUR Vollkosten rund 10.900 EUR. Gemessen an einem Prozess, der wie im Beispiel oben 39.600 EUR im Jahr bindet, ist das keine Budgetfrage, sondern eine Prioritätsfrage. Welche Fragen Sie einem Umsetzungspartner stellen sollten, bevor Sie ihn beauftragen, haben wir in Softwareentwicklungspartner auswählen: 10 Fragen zusammengetragen.

Was jetzt zu tun ist

Fangen Sie nicht mit einer Strategie an. Fangen Sie mit einer Messung an. Nehmen Sie sich diese Woche zwei oder drei operative Prozesse vor und lassen Sie mitschreiben, wie viele Stunden sie tatsächlich binden. Rechnen Sie mit Vollkosten. Die höchste Zahl ist Ihr Schritt 1.

Danach folgt die Reihenfolge: Prozess verstehen, Ebene wählen, produktionsreif bauen, mit echten Aufträgen testen, prozessweise live nehmen. Kein Schritt setzt voraus, dass Sie die ganze Firma auf einmal umbauen. Jeder Schritt endet mit einer Entscheidung, die Sie treffen können.

Wenn Sie wissen wollen, welcher Prozess bei Ihnen der Schritt 1 ist und was seine Umstellung kostet: Wir messen und rechnen es mit Ihnen durch, mit Ihren Zahlen.

Vereinbaren Sie einen kostenlosen und unverbindlichen Beratungstermin mit unserem Team.

 

Über den Autor:
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Marc Müller

Hallo, ich bin Marc Müller - einer der Gründer von appleute und Autor unserer Blogseite. Mit mehr als 7 Jahren Erfahrung in der Technologiebranche habe ich eine tiefe Leidenschaft für Innovation entwickelt und ein starkes Engagement, die bestmöglichen Lösungen für unsere Kunden zu liefern.

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